Ergebnisse des V4I RRI-Self-Assessment

Transparenz

Inhalt Transparenz beschreibt die offene und transparente Darstellung und Kommunikation von Praxisdetails und Forschungshintergründen, Ergebnissen, Rollen sowie Verantwortlichkeiten im FTI-Prozess.
Verknüpfung zwischen Transparenz und anderen Dimensionen

Der Dimension der Transparenz wird in der Literatur insbesondere eine Verknüpfung mit den Dimensionen Reflexion und Inklusion zugeschrieben[1]. Bezüglicher der Reflexion ermöglicht die transparente und offene Darstellung von Reflexions- und Entscheidungsgrundlagen deren Hinterfragung und Diskussion[2]. Dies betrifft einerseits insbesondere die Praxisdetails (TRA1), welche als wesentliche Reflexionsgrundlage gesehen werden können. Weiterhin kann aber auch zwischen anderen Indikatoren eine Verbindung ausgemacht werden. So kanneine transparente Darstellung von Forschungsprozessen Klarheit über Haftung und Eigentumsverhältnisse schaffen[3], was wiederum Grundvoraussetzung ist, um die Verantwortlichkeiten mit anderen Akteuren reflektieren zu können. Transparenz wird auch ein unterstützender Einfluss auf die Dimension der Inklusion nachgesagt[1]. So kann sie als wesentliche Grundlage für einen sinnvollen Dialog sowie die Schaffung von Vertrauen sowie gegenseitigem Verständnis zwischen den im F&I-Prozess beteiligten Akteuren gesehen werden[3]..

Inklusion

Inhalt Inklusion beziehen sich auf die Einbindung verschiedener Akteure, Stakeholder und „neuer“ Stimmen (z.B. Expert:innen aus der Praxis, Bürger:innen, Verbraucher:innen, etc.) in den FTI-Prozess und betrachtet die zudem die Art, Regelmäßigkeit und Systematik dieser Einbindung.
Verknüpfung zwischen Inklusion und anderen Dimensionen

Die Dimension der Inklusion ist ein zentraler Aspekt von RRI und kann als solcher als mit allen bestehenden RRI-Dimensionen verbunden angesehen werden[4]. So besteht im Hinblick auf antizipierende Prozesse ein weitestgehender Konsens in der Literatur, dass durch eine entsprechende Inklusion von verschiedenen Akteuren und/oder der Öffentlichkeit gesellschaftlich wünschenswerte Ergebnisse[4–6] ebenso antizipiert werden können wie mögliche Risiken[7,8]. Gleichzeitig kann eine inklusive Prozessgestaltung auch neue bzw. alternative Pfade aufzeigen, mit denen gewünschte Einflüsse und Ergebnisse erzielt werden können[7,9,10]. Neben der Antizipation wird der Inklusion auch eine unterstützende Funktion im Hinblick auf reflektierende Prozesse bescheinigt, wonach öffentlicher Dialog[11] sowie auch generell kollaborative Konzepte[12] die Reflexivität steigern können. Dies wird insbesondere durch eine verbesserte Möglichkeit zur Diskussion von Gegenstand und treibenden Faktoren von Forschung und Innovation[10] erreicht. Im Hinblick auf die Inklusionsdimension selbst erscheint ebenfalls eine Verknüpfung der Indikatoren als naheliegend. Einerseits ist die Art des Stakeholdereinbezugs davon abhängig welche Stakeholder einbezogen werden. So kann ein vertieftes Involvieren von Akteuren in Diskussionen nur dann seine volle Wirkung entfalten, wenn auch tatsächlich relevante und hinreichend unterschiedliche Akteure einbezogen werden. Gleichzeitig ist ein regelmäßiger und systematischer Einbezug von Stakeholdern vor allem dann sinnvoll, wenn auch die richtigen Stakeholder involviert sind und diese auch tatsächlich aktiv in Diskussionen einbezogen werden. Außerdem kann die Verknüpfung von Inklusion und Responsivität als wesentlich herausgestellt werden. Demnach ist Inklusion nur dann als ‚Responsible‘ anzusehen, wenn auch eine direkte Verbindung zur Responsivität hergestellt werden kann. Dies erscheint vor allem auch in der Hinsicht als logisch, dass der Nutzen des erhaltenen Stakeholderinputs in hohem Maße auch davon abhängig ist, wie mit dem Input und Feedback umgegangen und in wieweit dieses tatsächlich in den weiteren Forschungsverlauf einbezogen wird. Entsprechend wird auch gesagt, dass die Einbeziehung von Beiträgen verschiedener Personen in die F&I-Praktiken ist nicht sehr wertvoll ist, wenn Meinungen und Feedback nicht aktiv eingeholt und vor allem genutzt werden[3].

Antizipation

Inhalt Antizipation beschreibt die Notwendigkeit, die (intendierten und auch nichtintendierten) Konsequenzen von Innovationen möglichst früh aufzeigen zu können. Eine Frage, die diese Dimension wohl am besten beschreibt, ist die Frage nach dem „Was wäre (wenn)?“
Verknüpfung zwischen Antizipation und anderen Dimensionen Verbindungen von Antizipation mit anderen Dimensionen. So wird in der Literatur vor allem auf eine enge und wichtige Verbindung zwischen Antizipation und Reflexion hingewiesen[13–15]. Projiziert auf die Indikatoren bildet die Identifikation und Definition möglicher Auswirkungen somit eine Basis für eine vertiefte Reflexion in unterschiedlichen Bereichen. So hat beispielsweise die Antizipation möglicher Einflüsse eine Reflexion von Motivationen, Implikationen sowie Dilemmas und Unsicherheiten als Ziel[16]. Entsprechende Reflexionsmöglichkeiten können sich hierbei auch im Rahmen der Identifizierung und Berücksichtigung alternativer R&I-Pfade ergeben. So ermöglicht eine Betrachtung unterschiedlicher R&I-Trajektorien, sich der Unterschiede in Bezug auf Werte, Annahmen und Rollenverantwortung der verschiedenen beteiligten Akteure bewusst zu werden[3].

In der Literatur wird außerdem vereinzelt auf eine potenzielle Verknüpfung zwischen Antizipation und Responsivität hingewiesen. Antizipation unterstützt demnach, da es einen Überblick über alternative routes sowie impacts bietet, das Treffen verantwortungsvoller Entscheidungen[1] und ermöglicht es auf der Grundlage des erworbenen Wissens entsprechend zu intervenieren[17]. Wichtig ist dabei jedoch zu ebachten, dass Antizipation selbst über „keine eingebaute Stopp-Regel“ verfügt und somit schnell zu einer übermäßigen Komplexität führen kann[18]. Um eine solche zu vermeiden ist zunächst eine entsprechende Reflexion der antizipierten Inhalte hinsichtlich ihrer tatsächlichen Relevanz und verbundener Hintergründe notwendig. Dies impliziert die Notwendigkeit der Reflexion als Brückenkopf zwischen Antizipation und Responsiveness und unterstreicht die häufig konstatierte enge Verknüpfung zwischen Reflexion und Antizipation[13,14].

Reflexion

Inhalt Refelxion bedeutet, den eigenen Aktivitäten, Verpflichtungen und Annahmen den sprichwörtlichen Spiegel vorzuhalten. Reflexivität ist eng verwandt mit der Antizipation. Der Unterschied liegt darin, dass antizipative Prozesse darauf abzielen, mögliche Auswirkungen/Szenarien zu identifizieren und reflexive Prozesse darauf abzielen, ein tieferes Verständnis hiervon zu erlangen.
Verknüpfung zwischen Refelxion und anderen Dimensionen Die direkte Verknüpfung zwischen Reflexion und Responsivität wird in der bestehenden RRI-Literatur bestätigt, wonach Reflexivität über seine Verbindung zur Reaktionsfähigkeit indirekt die Entwicklung verantwortungsbewusster Produkte ermöglicht. Im RRI-Kontext ist zudem der besondere Stellenwert der Reflexion im Hinblick auf beteiligter Akteure, u.a. auch im Hinblick auf die ihnen zuzuordnenden Rollen, hervorzuheben[18]. Es ist auch von einer Verbindung zwischen den einzelnen Aspekten innerhalb der Dimension der Reflexivität auszugehen. So kann eine kritische Reflexion der vorliegenden Problemdefinition eine wesentliche Grundlage für eine vertiefende Hinterfragung der getroffenen Annahmen und durchzuführenden Tätigkeiten sein, welche wiederum die Reflexion der Verantwortlichkeiten und heranzuziehenden Akteure beeinflusst. Ebenso kann eine kritische Betrachtung der vorliegenden Werte und Motivationen die Reflexion der Verantwortlichkeiten im Prozess unterstützen. Generell besteht zudem die Möglichkeit, dass sich durch eine kritische Reflexion Unsicherheiten und Lücken ergeben, welche in einem weiteren Schritt genauer hinterfragt werden können.

Es liegen weiterhin Verbindungen der Reflexivität zur Transparenz nahe, da Reflexion durch Responsibilität zu einer öffentlichen Angelegenheit wird[2]. So erfordert es Reflexion auch, resultierende Ergebnisse aus der Reflexionstätigkeit für die beteiligten Akteure transparent zu machen[18]. In diesem Hinblick darauf erscheint es logisch, dass beispielsweise die Möglichkeit und Intention einer transparenten Darstellung von bspw. bestehenden Verantwortlichkeiten, Interessen oder Unsicherheiten davon beeinflusst wird, ob und inwiefern man sich derer in vorangeschalteten, reflektierenden Prozessen bewusstgeworden ist.

Responsivität

Inhalt Responsivität umfasst die Anpassung an „neue“ Erkenntnisse und Rahmenbedingungen unter Anerkennung der Unzulänglichkeit von Wissen und Kontrolle. Sie beschreibt die Fähigkeit, auf die Ergebnisse aus den Aktivitäten der Antizipation, Inklusion sowie Reflexivität zu reagieren und die Richtung des FTI-Prozesses entsprechend anzupassen.
Verknüpfung zwischen Responsivität und anderen Dimensionen

Aus den bisherigen Darstellungen zeigt sich bereits, dass die Dimension der Responsivität direkt bzw. indirekt von den anderen konzeptionellen Dimensionen Antizipation, Reflexion und Inklusion beeinflusst wird. Zudem verweist die Literatur auch auf eine sich ergebende Verbindung zur Transparenz bzw. Offenlegung von Forschungsergebnissen[4,19,20]. Im Hinblick auf die Wirkungsrichtung zeigt sich dabei, dass Transparenz die Responsivität indirekt beeinflusst[1]. In der Literatur wird die Responsivität und davon ausgehende Verbindungen zu anderen Dimensionen zur begrenzt thematisiert. Dies spiegelt sich auch in der dargestellten Interaktionen zwischen den Dimensionen wieder, nach denen Responsivität zwar von den anderen Prozessdimensionen beeinflusst wird, selbst aber nur eine gerichtete Verbindung zur Produktebene aufweist. Dies spiegelt sich auch in der Aussage wieder, dass der Grundgedanke der Reaktionsfähigkeit darin besteht, die Erzielung verantwortungsvoller Ergebnisse und die Lieferung verantwortungsvoll hergestellter Produkte zu unterstützen[1]. Umso wichtiger ist es jedoch deshalb, die anderen Dimensionen entsprechend verantwortungsvoll zu gestalten, um eine gute Basis für responsive Prozesse zu schaffen.

Literatur

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[21] Carbajo, R., & Cabeza, L. F. (2018). Renewable energy research and technologies through responsible research and innovation looking glass: Reflexions, theoretical approaches and contemporary discourses. Applied Energy, 211, 792-808.